Herzlich willkommen!
Sie befinden sich auf der Homepage von Ulrich Walter Diehl, auf der ich meine Arbeit an der Entwicklung einer sytematischen Philosophie vorstelle. Daneben enthalten die folgenden Seiten auch eine Selbstdarstellung mit einigen Hinweisen über mich, meine Herkunft, mein philosophisches Denken und meine politische Grundeinstellung.
Die Seiten in der Rubrik Philosophie enthalten meine Auffassung von Philosophie. Dabei stehe ich - wie jeder andere Philosoph - in einer bestimmten Tradition des Denkens. Kein Philosoph kann auf eine überzeugende Art und Weise philosophieren, als hätten andere Philosophen vor ihm nicht auch schon philosophiert. Wer so zu philosophieren versucht, als ob er noch einmal ganz von vorne beginnen könne oder entgegen dem bisherigen Gang der Philosophiegeschichte zu einem vermeintlichen Ursprung zurückkehren könne, weil die ganze bisherige Geschichte der Philosophie angeblich in die Irre gegangen sei, der läuft unweigerlich Gefahr, selbst in die Irre zu gehen. Der uralte Traum vieler Philosophen von einem absoluten Anfang oder einer absoluten Grundlegung der Philosophie scheint endgültig ausgeträumt.
Das Ende der Träumereien von einem absoluten Anfang oder einer absoluten Grundlegung der Philosophie bedeutet jedoch nicht, dass wir uns nur noch auf einem traurigen Trümmerfeld von maroden philosophischen Ruinen aus der Geschichte der Philosophie bewegen können. Manche Hermeneutiker und Philosophiehistoriker meinen, dass wir uns nur noch gewisse Fund- und Bruchstücke aus solchen Ruinen verstehend aneignen können. Das Ende dieser Träumereien bedeutet aber auch nicht, dass wir uns nur noch auf einer endlosen und unbegrenzten Spielwiese der gedanklichen Beliebigkeiten hin und her bewegen können, bis wir irgendwann bemerken, dass wir uns ständig nur im Kreise gedreht haben. Das Ende der absolutistischen Träumereien bedeutet schließlich auch nicht, dass wir uns nur noch mit den verschiedenen Phänomenen unserer gemeinsamen Lebenswelt befassen können, dabei jedoch alles Denken im Bruchstückhaften und Zusammenhanglosen bleiben muss.
Wer nur wenig vom Philosophieren versteht, geht meistens davon aus, dass in der Philosophie alles bloß strittige Meinung sei und auch bloße Meinung bleiben müsse. Bei einer solchen subjektivistischen oder relativistischen Einstellung kann es dann bestenfalls nur noch um meine Meinung und Deine Meinung gehen. An die Stelle eines sachlichen Gespräches und eines disziplinierten Streites mit Andersdenkenden bleibt es dann meistens bei unverbindlichen Äußerungen als bloßem Ausdruck der eigenen Überzeugungen oder Gefühle. Treten dann jedoch offensichtliche Unvereinbarkeiten oder handfeste Interessenkonflikte auf, kommt dann oftmals nur eine bloße Rechthaberei oder der Kampf um die Macht zum Vorschein. Bleibt es jedoch bei einer subjektivistischen oder relativistischen Einstellung, gelten alle philosophischen Überzeugungen, Thesen und Argumente als gleichwertig. Aber gerade dadurch werden sie auch belanglos und gleichgültig.
Wo es angeblich nur noch bloße Meinungen und Meinungen über andere Meinungen gibt, wird die Möglichkeit des Erkennens und Wissens von vorne herein ausgeschlossen. Philosophen sollten jedoch wie andere Wissenschaftler auch an Wahrheit, an Erkenntnis und an Wissen interessiert sein. Sicherlich interessieren sich Philosophen dafür in methodischer Hinsicht auf eine andere Weise als die empirischen Einzelwissenschaften. Als bloße Meinungsmacher mit gewissen rhetorischen Mitteln würde sie jedoch ihren eigentlichen Sinn und Zweck verfehlen. Wozu sollten sie denn auch sonst philosophieren, wenn es ihnen nicht ernsthaft darum ginge, von den unterschiedlichen Meinungen und Überzeugungen, die am Anfang einer jeden Untersuchung stehen, nach Möglichkeit zu einer echten Erkenntnis und zu echten Wissen zu gelangen? Wozu sollten sie denn auch zuerst einmal nach Kräften versuchen, den anders Denkenden und anders Meinenden wirklich zu verstehen? Wozu sollten sie eigene und fremde Überzeugungen in Frage stellen und mit gewissen Methoden auf ihre Zuverlässigkeit und Gültigkeit hin prüfen?
Echtes Philosophieren gibt es deswegen nur bei einer kognitiven Einstellung, die jenseits des bloßen Ausdruckes und Austausches von Meinungen, aber auch des bloßen Recht-Habens und der geschickten rhetorischen Durchsetzung des eigenen Standpunktes liegt. Bei einer subjektivistischen oder relativistischen Einstellung bleibt man jedoch der schier endlosen Vielfalt der Meinungen ausgeliefert und damit der Fremdbestimmung durch irgendwelche Autoritäten, soziale Strömungen oder durch die ökonomischen Umstände und die politischen Verhältnisse.
Wer jedoch tiefer in die Geschichte und Systematik der Philosophie eindringt, kann lernen und verstehen, dass es einge maßgebende Philosophen gegeben hat, die bis heute paradigmatische Modelle des Philosophierens geschaffen haben, die Maßstäbe der Qualität und der Komplexität darstellen, an denen wir uns orientieren können und die wir nicht ohne schwerwiegende Verluste dem jeweiligen Zeitgeist opfern können. Die Tradition, in der ich aufgrund meiner Herkunft stehe, ist weder die vorwiegend naturalistische, szientistische und pragmatistische Tradition des amerikanischen Denkens noch die alte und ehrwürdige Tradition des afrikanischen, indischen oder chinesischen Denkens, sondern die europäische Tradition. Das Bewußtsein, selbst in einer ganz bestimmten Tradition zu stehen, ist keine leichtfertige Absage an die Möglichkeit eines interkulturelles Dialoges mit Denkern anderer Traditionen, sondern eine psychologische Bedingung für seine erfolgreiche Realisierung durch Anerkennung der eigenen Bedingtheit und durch einen angemessenen Respekt vor dem Andersseins des Anderen.
Zwar kommt es bei allem authentischen Philosophieren in erster Linie auf den persönlichen Prozess einer nach Wahrheit strebenden denkerischen Tätigkeit an, bei der man mit seiner ganzen Existenz in einer bestimmten Lebenswelt Rede und Antwort stehen muss. Aber trotzdem lassen sich alle persönliche Antworten auf bestimmte philosophische Fragen auch in der mündlichen oder schriftlichen Form eines besonderen Fürwahrhaltens festhalten. Dabei steht jedoch jede Frage und jede Antwort nicht nur im kommunikativen Kontext anderer Fragen und Antworten, sondern auch im logischen Raum möglicher Fragen, die zwar noch nicht gestellt und beantwortet wurden, aber durchaus hätten gestellt und beantwortet werden können. Dieser logische Raum der möglichen Fragen und Antworten ist jedoch kein strukturloser Freiraum ohne begriffliche Verbindungen, logische Zusammenhänge und kategoriale Grundstrukturen, sondern ein selbst schon strukturierter Raum, dessen spezifische Struktur sowohl durch empirische Erkenntnisse der Sachverhalte in der raum-zeitlichen Lebenswelt als auch durch apriorisches Wissen und kategoriales Denken in der philosophischen Reflexion entdeckt werden kann.
Deswegen ist der logische Raum des Denkens ebenso wie der reale Raum der alltäglichen Lebenswelt, aber anders als der persönliche Erlebnisraum der psychischen Vorstellungen des eigenen Bewußtseins ein potentiell gemeinsamer Raum des Denkens, an dem verschiedene philosophische Denker - selbst über soziale Zugehörigkeiten, kulturelle Kontexte und historische Epochen hinweg - gemeinsam teilhaben können. Das bedeutet, dass sie die persönliche Perspektive ihrer subjektiven äußeren Wahrnehmungen und inneren Erlebnisse nicht nur im Hinblick auf die objektiven Realitäten der gemeinsamen raum-zeitlichen Lebenswelt des alltäglichen Lebens, sondern auch im Hinblick auf die geistigen Strukturen des logischen Raumes des Denkens in bestimmten allgemeinen Begriffen, Urteilen und Kategorien hin transzendieren können.
Aus diesem Grunde gibt es auch eine Systematik der Philosophie, die trotz gewisser Neuerungen an bewährte Systematiken anknüpfen kann. Dabei geht es jedoch nicht um die rationalistische Konstruktion eines neuen geschlossenen Systems der Philosophie, wie in der Epoche des Deutschen Idealismus, sondern nur noch um eine den apriorischen Denkstrukturen und empirischen Phänomenen angemessene Systematik, die in der philosophischen Forschung heuristische Funktionen und in der philosophischen Lehre didaktische Zwecke erfüllen kann. Dieser Systematik liegt die überlieferte und bewährte aristotelische Dreiteilung zugrunde: Theoretische, Praktische und Poietische Philosophie. Diese Systematik hilft zum einen, sich im philosophischen Denken zu orientieren, so ähnlich wie ein Stadtplan hilft, sich in einer mehr oder weniger fremden Stadt zurecht zu finden.
Eine solche philosophische Systematik zeigt jedoch auch, wie im philosophischen Denken, verschiedene Themen und Probleme miteinander verbunden sind, sodass sowohl eine adäquate Behandlung der Themen als auch eine plausible Lösung der Probleme auf eine bestimmte Art und Weise voneinander abhängen. Als Korrektive gegen eine geistige Erstarrung im rationalistischen Systemdenken dienen neben den Methoden der Phänomenologie und der logisch-semantischen Analysen auch die Methoden der Maieutik und Rhetorik sowie der Dialogik und Dialektik. Nicht zuletzt helfen gegen eine dogmatische Erstarrung auch ein spielerischer Standpunktwechsel, gelegentlicher Wechsel der Themen und Probleme sowie der Widerstand aller Gebildeten gegen den Zwang zur Spezialisierung und Modularisierung, der die akademische Philosophie selbstbezogen, kleinkariert und steril zu machen droht. Die Folge dieser seit einigen Jahrzehnten anhaltenden Entwicklung liegt sowohl in einer irreführenden Nachahmung der Methoden der exakten Formal- und Naturwissenschaften, die von den meisten Menschen aufgrund gewisser epistemischer Erfolge und technologischer Errungenschaften respektiert werden, als auch in dem für jede bisherige Kultur der Menschheit gefährlichen Versiegen der künstlerischen und religiösen Quellen.
Die Seite Evangelische Theologie enthält mein Verständnis von evangelischer Theologie. Mit dieser akademischen Disziplin habe ich mich seit dem Anfang meines Studiums an der Universität Heidelberg auseinander gesetzt und ich habe sie immer wieder als eine interessante Herausforderung für die Philosophie schätzen gelernt. Wo aufrichtig und ernsthaft von einer religiösen Wahrheit gesprochen wird, die prima facie aufgrund ihrer existenziellen Bedeutung für das Leben der Menschen wichtiger zu sein scheint, als irgendwelche beliebigen Wahrheitsansprüche des Alltags und der Wissenschaften, dürfen Philosophen nicht gleichgültig bleiben - auch und gerade nicht dort, wo sie mit dem hohen Anspruch auftritt, eine "christliche Glaubenserkenntnis" (Emil Brunner) zu sein, die den Menschen als solchen "unbedingt angeht" (Paul Tillich).
Ohne die Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben und den anderen Religionen der Menschheit würde die europäische Philosophie unter der kulturellen Dominanz der Naturwissenschaften und Technologien auf einer positivistischen Schwundstufe der instrumentellen Rationalität verkümmern. Übrig blieben nur noch die Themen und Probleme der formalen Logik und der die dominierende Praxis der zeitgenössischen Wissenschaften nachvollziehenden Wissenschaftstheorie. Daneben könnte man höchsten noch eine individuelle Zweckrationalität und utilitaristische Sozialethik entwickeln, ergänzt durch einen faktizistischen Rechtspositivismus und eine politische Technokratie ohne eine geistige Orientierung an sittlichen Idealen, Prinzipien, Normen und Werten. Eine sittliche Barbarei auf relativ hohem technischen Niveau hat schon einmal die deutsche und europäische Kultur von innen heraus bedroht.
Die philosophische Suche nach einer existenziellen Wahrheit, mit der man versuchen kann, ein gutes Leben zu führen und in Würde zu sterben, ohne den lebensfeindlichen Zwängen einer kapitalistischen und technokratischen Moderne zu verfallen, die mit ihrem wahnhaften Glauben an einen permanenten Wachstum auf Kosten anhaltender Umweltzerstörung und schwindender Solidarität der Zivilgesellschaften, kann jedenfalls nicht an den Wahrheitsansprüchen der großen Weltreligionen vorbeigehen, wenn sie sich selbst und ihre eigene Geschichte angemessen zu verstehen versucht.
Ein gelingendes Leben, das seit der Antike auch ein praktisches Ziel eines authentisch Philosophierenden darstellt, ist anscheinend nur möglich, wenn es in einen größeren Zusammenhang des lebendigen Guten eingebettet ist. Das individuelle Wohlergehen des persönlichen Glücksstrebens (salus privata) ist immer schon an das soziale Wohlergehen der eigenen sozialen, kulturellen und politischen Lebenswelt (salus publica) gebunden, auch wenn es niemals ganz darin aufgehen kann wie in den utilitaristischen Bestrebungen aller totalitären Systeme der politischen Herrschaft. Gleichwohl bleibt es jedem individuellen Menschen und jedem politisch mündigen Bürger unbenommen, in seinem Denken, Fühlen und Handeln den jeweiligen Radius der Bezugnahme auf die realen Ordnungen des lebendigen Guten von Gemeinde und Universität, Stadt und Land, Nation und Föderation bis hin zur planetarischen Menschheit zu erweitern. Doch eine solche Erweiterung des Radius der Aufmerksamkeit hat immer auch psychologischen Kosten und läuft immer auch Gefahr, oberflächliche Informationen mit echtem Wissen zu verwechseln.
Diese realen Ordnungen des lebendigen Guten in einem politischen Gebilde einer gewissen Größenordnung sind jedoch etwas wesentlich Anderes ist als nur die berechenbare Summe des kalkulierbaren Profits von Partikularinteressen. Anders als im Utilitarismus bedarf eine Orientierung am Gemeinwohl immer einer Garantie von Bürger- und Menschenrechten, einer Bejahung kultureller Vielfalt sowie einer umfassenden Gerechtigkeit, die nicht in der Anwendung formaler Verfahrensregeln auf austauschbare Fälle aufgehen kann. Eine solche Orientierung am Gemeinwohl braucht geistige Quellen der Freiheit zur Verantwortung für das lebendige Gute und nicht bloß eine staatliche Kanalisierung des gesellschaftlichen Zusammenlebens durch Gesetze und Verordnungen, Strafen und Strafandrohungen.
Der Glaube der Juden, Christen, Muslime und anderer Menschen ist nicht nur eine Quelle kultureller Identität, wie sie insbesondere für Migranten und ihre Familien lebensnotwendig ist, sondern auch ein wichtiges Korrektiv gegen alle falschen Verabsolutierungen, wie z.B. gegen die Verabsolutierung des Staates, die zu einer totalitären Politisierung der Kultur führt, gegen die Verabsolutierung des Marktes, die zu einer Ökonomisierung aller Lebensverhältnisse führt, gegen die Verabsolutierung der Natur, die zu einem biologistischen Menschenbild führt, sowie gegen die Verabsolutierung von Wissenschaft und Technik, die zu einem szientistischen Menschenbild und einer funktionalistischen Naturauffassung führt.
Anstelle dieser Verabsolutierungen verweisen die Glaubensweisen der Religionen der Menschheit auf Quellen eines unverfügbaren Sinns des menschlichen Daseins in der Welt. Ohne die Hoffnung auf Gott wäre alles menschliche Glauben und Hoffen sowie alles mühsame Planen und Handeln nur eine sinnlose Sisyphusarbeit, die letzten Endes zum Scheitern verurteilt ist. Vor den nicht gerade harmlosen Gefahren einer nihilistischen Moderne bewahrt uns sicher nicht alleine der Glaube der großen Weltreligionen, sondern auch der Glaube der großen Philosophen an die Kraft einer sich selbst vergewissernden Vernunft. In der Verteidigung von Glaube und Vernunft liegt nicht zuletzt auch die Chance, das sittliche Ideal der Humanität zu verteidigen, an dem die weitgehend nur instrumentale Rationalität von Staat und Markt, Wissenschaft und Technik überhaupt erst sittlich zu messen, zu bewerten und auszurichten sind.
Die Seite Religionswissenschaft enthält einige Grundaussagen zum Selbstverständnis dieser wissenschaftlichen Disziplin, die mich ebenfalls seit meinem Studium an der Universität Heidelberg interessiert und die sowohl die Philosophie als auch die Evangelische Theologie sinnvoll ergänzt. Sie ergänzt sie beide, weil sich alle Weltreligionen immer schon mit den Grundproblemen der menschlichen Existenz, mit Weltanschauung und Menschenbild, Sittlichkeit und Transzendenz auseinander gesetzt haben. Religionswissenschaft kann zwar weder voraussetzungslos noch standpunktlos vorgehen, da sie immer schon einen vorläufigen Begriff von ihrem Forschungsgegenstand und ein bestimmtes Verständnis von ihren Methoden braucht. Aber anders als die Evangelische Theologie oder die Theologie einer anderen Religion oder Konfession kann sie keinen bestimmten religiösen Glauben voraussetzen, von dem aus die anderen Religionen und Konfessionen erforscht, beurteilt und bewertet werden. Sie muss sich als Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaft um ein einfühlendes Verständnis ihres Forschungsgegenstandes bemühen.
Die Seite Verschiedenes enhält zunächst eine Galerie europäischer Philosophen und christlicher Theologen, einige Videos zur Philosophie und zur menschlichen Wahrnehmung, weiterhin kleine Beiträge zu Universität, Literatur, Musik, Kunst und Film, etc. meistens von Freunden und Bekannten. Die restlichen Rubriken erklären sich aus den Titeln von selbst.
Ulrich W. Diehl
Ulrich Walter Diehl
